
Die Gefühlswelt Ihres Kindes entwickelt sich und es muss auch hier viel lernen, bis es nicht nur seine eigenen Gefühle, sondern auch die anderer Menschen wahrnehmen und einschätzen kann. Das ist noch ein langer Weg. Jetzt freut es sich, wenn Sie sich freuen und lacht mit Ihnen. Wenn Sie weinen, fängt es auch an zu weinen. Aber es weint deshalb, weil es in dem Moment traurig ist, also aus seiner eigenen Gefühlswelt heraus. Es setzt sich noch nicht damit auseinander, wieso Sie jetzt traurig sind. Wenn Ihr Kind Sie beisst, dann macht es deshalb keinen Sinn, zurückzubeissen, um ihm zu zeigen, dass es Ihnen wehgetan hat. Es wird heulen vor Schmerz und Wut, aber es wird keine Verbindung herstellen können, zu Ihren Schmerzgefühlen.
Als Kleinkind steht Ihr Schatz jetzt zwischen dem Babydasein mit seiner totalen Abhängigkeit von Ihnen und dem Leben als Kind, in dem es als eigenständige Person agiert und Verantwortung übernehmen kann. So ist es jetzt oft hin- und hergerissen, hängt Ihnen einerseits manchmal am Rockzipfel, jammert und braucht Ihre Bemutterung, auf der anderen Seite hören Sie oft das bekannte «Nein!» und erleben den Kampf gegen Ihre Kontrolle. Es braucht Ihre Liebe und Anerkennung, aber es muss seine Unabhängigkeit ausprobieren und ausweiten. Das geht nicht über Nacht, gestehen Sie Ihrem Kind diese unterschiedlichen Phasen zu. Neben Ihrem Kleinkind, das schon vieles alleine tun will und Ihre Hand wegschiebt, haben Sie auch ein Baby, das sich in Ihre Arme flüchten und versorgen lassen will.
Das Unabhängig werden zeigt sich auch darin, dass Ihr Kind beginnt, einen eigenen Geschmack zu entwickeln. Gestehen Sie ihm seinen Widerwillen gegen manche Nahrungsmittel zu, es gibt für alles gesunde Alternativen und der Spruch «Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt» wird meistens zu kräftezehrenden Auseinandersetzungen führen, die den Dickkopf Ihres Kindes erst recht herausfordern. Versuchen Sie auch nicht, etwas in seine Mahlzeit hinein zu schummeln, das es nicht will. So erziehen Sie nur Misstrauen heran. Auch bei der Wahl der Kleidung können Sie Ihrem Kind innerhalb bestimmter Grenzen eine eigene Meinung zugestehen. Natürlich kann es bei Minustemperaturen nicht die Sommerjacke anziehen, aber wenn Sie ihm die Wahl zwischen der bunten und der grünen Jacke lassen, erlebt es, dass seine eigene Meinung wichtig ist.
Unterstützen Sie Ihr Kind beim Lernen von Unabhängigkeit dabei, indem Sie sich selbst auch bewusst machen, dass es ein «Wir», aber auch ein «Du» und ein «Ich» gibt. Ihr Kind – und auch Sie! – müssen lernen, dass es Sie nicht nur im Zweierpack gibt. Haben Sie kein schlechtes Gewissen dabei, wenn Sie Ihr Kind bei der Oma lassen und ausgehen. Ihr Kind wird in der Zeit, in der Sie nicht bei ihm sind, Erfahrungen machen, die Sie nicht mitbekommen und Dinge sehen, die Sie nicht sehen. Das wird Sie anfangs vielleicht schmerzen, gehört aber zum Ablöseprozess dazu.
Ab und zu tut ein wenig ruhige Beschäftigung gut! Schneiden Sie bunte Bilder aus Zeitschriften aus und lassen Sie Ihr Kind die Rückseiten mit Klebestift beschmieren. Auf ein grosses Papier geklebt entstehen bunte Collagen.
Text: Petra Kaiser
Ob Baby oder Kleinkind - auch die Kleinsten wollen beschäftigt und gefördert werden. Denn spielen ist lernen! Ein fröhlicher Ratgeber mit Ideen für Ablenkungsmanöver beim Wickeln, Füttern oder Anziehen, Einschlaf- und Aufwachrituale, Spiele, die Spaß machen und die Entwicklung fördern und vieles mehr. Ausserdem erklärt ein Extrakapitel vieles zu Wachstum, Motorik, oder Sprachentwicklung von 0 bis 3 Jahren.