Nach der Geburt: Stillen oder Abstillen?

Bewerte diesen Artikel

6 Bewertungen

 

Nach der Geburt: Stillen oder Abstillen?

Nach der Geburt stellt sich für jede Mutter die Frage, wie lange sie ihr Kind stillen soll. Aus Angst vor unansehnlichen Brüsten entscheiden sich viele Mütter deutlich zu früh für das Abstillen. Dabei ist die Muttermilch ein wesentlicher Bestandteil für die gesunde Entwicklung des Kindes.

Stillen ist wichtig!

Grundsätzlich gilt: Für das Neugeborene gibt es kaum etwas Wichtigeres als ausreichend lang gestillt zu werden. Eine neue Studie der EU zeigt eindrucksvoll auf, dass man durch das ausreichende Stillen die Infektionsgefahr der Kinder um bis zu 56 Prozent senken kann. Auch die Gefahr der Säuglingssterblichkeit kann sich durch das Stillen enorm senken. Schon länger ist bekannt, dass Kinder, die lange gestillt wurden, in den Folgejahren deutlich weniger erkranken, als ein reines «Flaschenkind».

Die Kombination der wertvollen Muttermilch kann und wird keine künstliche Babymilch aus der Flasche ersetzen. Besonders entscheidend sind die zahlreichen Antikörper und Immunzellen, die direkt aus dem mütterlichen Immunsystem stammen. Sie werden direkt über die Muttermilch zum Baby transportiert und stärken so auch die Abwehr des Neugeborenen. In diesem Zusammenhang ist auch die sogenannte Vormilch besonders wichtig. Sie wird bis zu 35 Stunden nach der Geburt in der Brust der Mutter gebildet und enthält einen ausgesprochen hohen Anteil an wichtigen Antikörpern.

Wann sollte abgestillt werden?

Die Frage, wann das Kind nun abgestillt werden kann, beschäftigt viele Mütter. Grundsätzlich ist hier zu beachten, dass das Abstillen keinesfalls erfolgen darf, bevor das Kind nicht selbstständig sitzen kann und der natürliche Reflex der Zunge, feste Nahrung abzustossen, verschwunden ist. Allgemein stellen sich diese Eigenschaften zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat des Neugeborenen ein. Ein weiteres Indiz sollte das Verlangen des Kindes sein, selbst und eigenständig Nahrung aufnehmen zu wollen.

Man muss dennoch daran denken, dass ein Kind von selbst nicht aufhört, die Muttermilch zu begehren. Es muss also ein Weg gesucht werden, auf dem das Kind Stück für Stück von der Milch entwöhnt und an feste Nahrung gewöhnt wird. Die WHO empfiehlt zunächst eine vollständige Stillung über die ersten sechs Monate. Ab diesem Zeitpunkt sollte man beginnen, dem Kind zusätzliche Beikost zu geben. Wenn das Kind sein erstes Lebensjahr vollendet, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem nur noch feste Nahrung gegeben werden sollte.
Neben den biologischen Faktoren spielt aber auch die Kultur eine gewisse Rolle. So gibt es Kulturkreise, die ihre Kinder bis über das fünfte Lebensjahr hinaus stillen.

Fazit

Das Stillen der Neugeborenen liegt nicht unbedingt im Trend. Zu oft hört man Befürchtungen der Mütter, die eigene Brust könnte leiden und sich später nicht mehr im gewünschten Mass zurückbilden. Zudem klagen Mütter auch immer wieder über Schmerzen, die durch das Stillen verursacht werden sollen.
Grundsätzlich kann es natürlich vorkommen, dass Schmerzen oder andere biologische Faktoren eine ausreichende Stillung unmöglich machen. In solchen Fällen muss man dann schon früh zur Flaschenmilch greifen. In allen anderen Fällen sollte man allerdings zum Wohl des Kindes auf die eigenen Bedürfnisse verzichten und so lang als möglich stillen.

Schliesslich ist die Muttermilch eines der hochwertigsten Nahrungsmittel, die wir in unserem Leben zu uns nehmen können!
 
Text: Daniel D. Eppe