
Mediziner meinen, Schokolade ist ungesund! Sie versorgt den Körper mit unbrauchbaren «leeren» Kalorien, regt die Bildung von Fettzellen an, irritiert den gesamten Stoffwechsel und schädigt die Zähne. Auch das Hautbild leidet unter erhöhtem Schokoladenkonsum. In schlimmen Fällen kann sich sogar eine Art Suchtverhalten einstellen. Am gefährlichsten ist die weisse Schokolade: Sie hat den höchsten Fettgehalt. Bitterschokolade hat den geringsten Fettanteil, steht allen anderen Sorten im Hinblick auf den Zuckergehalt aber in nichts nach. Nach diesen allgemein bekannten Informationen sollte man ja wirklich die Finger von dem klebrigen Teufelszeug lassen!
Psychologen sind der Meinung: Schokolade macht glücklich! Schon als Baby suggeriert uns der warme, süssliche Geschmack der Muttermilch ein Gefühl vertrauter, geborgener Sicherheit. An Mutters Brust ist alles gut, da kann uns keiner was tun. Nicht wenige Menschen sind überzeugt davon, dass der Genuss von Schokolade ganz ähnliche Assoziationen in uns weckt, und der Begriff «Trostschoki» kommt nicht von ungefähr. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der süsse Stoff sogar in Apotheken als Kräftigungsmittel und Aphrodisiakum angeboten. Muss doch etwas Gutes dran sein, an den verlockenden Täfelchen…
Es soll ja Leute geben, die einfach keine Schokolade mögen. Auch Kinder übrigens, was beweist, dass nicht alle Junioren stets nur nach Süssem trachten und daher reglementiert werden müssen. So wie bei Erwachsenen gibt es ganz unterschiedliche Genuss-Typen, und wer diesen erkannt hat, ist beim verantwortungsvollen Naschen schon ein ganzes Stück weiter. Allgemeingültige Richtlinien kann es also gar nicht geben, vielmehr spielt das kindliche Naschbedürfnis und der alltägliche Umgang mit Genussmitteln eine grosse Rolle.
Manche Eltern gestatten Schokoladenkonsum gar nicht oder grundsätzlich nur an Feier- und Geburtstagen. Das kann durchaus funktionieren, zieht aber zwangsläufig ein Desaster nach sich, wenn sich irgendwo Schokolade «ausser der Reihe» anbietet. Dann sind unschöne Hamster-Szenen zu erwarten, spätestens mit dem eigenen Taschengeld werden die Regeln der Eltern hintergangen. Diese Taktik eignet sich also nur für Kinder, die sich nicht so recht für Naschwerk interessieren.
In manchen Familien verfährt man hingegen nach dem Credo: Nimm, wenn Du möchtest, ansonsten lass es halt stehen. Wenn die Eltern hier massvollen Genuss vorleben, stärken sie die Selbstwahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit ihrer Kinder. Da Naschen nicht verboten wird, erscheint es auch weniger reizvoll, ein elterliches «Nein» zu durchbrechen. Bei kleineren Kindern kann es hier jedoch schon vorkommen, dass genascht wird bis die Schale eben leer ist. Daher ist diese Methode wohl eher für Grössere geeignet.
Im ersten Jahr vertragen Babys sie einfach nicht, danach ist Schokolade ein Genussmittel und gehört nicht auf den täglichen Speiseplan. Das müssen Kinder lernen. Es gehört sich nicht, dem reichbeschenkten Geburtstagskind alle Süssigkeiten «nur zu seinem Besten» wegzunehmen, aber man kann sie in einer Schatztruhe deponieren, in die gelegentlich gegriffen wird. Aus zahnärztlicher Sicht ist es günstiger, eine Tafel am Stück zu vernaschen und dann gründlich die Zähne zu putzen, statt sich Stück für Stück den Tag zu versüssen.
Text: Claudia Eichhorn