Wenn Kinder lügen lernen

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Wenn Kinder lügen lernen

«Von Kindern und Narren kann man die Wahrheit erfahren» so lautet eine altbekannte Volksweisheit. Doch stimmt das wirklich immer? Was, wenn Eltern von ihrem Nachwuchs zum ersten Mal so richtig schamlos angeflunkert werden? Oder Sie bekommen mit, dass der Geldschein, der ganz sicher auf der Kommode hingelegt wurde, plötzlich weg ist und eigentlich nur Ihr Kind dafür infrage kommen kann, es aber diese Tatsache kalt abstreitet? Viele Eltern reagieren darauf enttäuscht und empfinden das Lügen des Kindes als Vertrauensbruch. Wie können Eltern damit umgehen?

Lügen will gelernt sein

Kinder beginnen meistens ab dem vierten Lebensjahr zu lügen. Ab diesem Alter lernen Kinder, sich ins Gegenüber hineinzuversetzen. Sie haben nun gelernt, dass andere Menschen nicht über den gleichen Wissensstand verfügen, wie sie selbst und lernen nun, dies geschickt auszunutzen. Kleinkinder im Alter von 0 – 3 Jahren besitzen diese Fähigkeit noch nicht, daher ist es eher ausgeschlossen, dass Ihr Kind in diesem zarten Alter zu lügen beginnt. Entwicklungspsychologen kamen allerdings zu dem Schluss, dass das Erlernen des Lügens mit der Intelligenz der Kinder in Verbindung zu bringen ist. Also wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Kind von der Norm abweicht und zu schwindeln beginnt, bevor es 4 Jahre alt ist.

Warum Kinder lügen

Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass auch Erwachsene mitunter nicht selten zur so genannten «Notlüge» greifen. Man ist Sonntagnachmittag mit der gesamten Familie bei der Schwiegermutter zu Kaffee und Kuchen eingeladen und der Kuchen schmeckt wie so oft, einfach scheusslich. Was tun? Um die peinliche Situation zu retten, greift Papa zur Notlüge: «Tut mir Leid liebe Schwiegermutter, aber ich bin so satt, dass ich keinen Bissen runter bekomme». Die Kinder merken natürlich, dass Papa nicht die Wahrheit gesagt hat. Wenn schon Papa so ungeniert flunkert, dürfen das die Kinder doch auch, oder? Kinder sind zweifelsohne die besten Nachahmer der Eltern. Da darf es einen als Elternteil nicht verwundern, wenn auch der Nachwuchs zur der einen oder anderen Notlüge greift. Ein Grund, wieso Kinder also lügen ist der, dass sie rücksichtsvoll und höflich wirken möchten. Das lernen sie – wie es das oben erwähnte Beispiel zeigt – am besten von den Erwachsenen. Ein weiterer Grund warum ein Kind lügt, ist die Angst vor Strafe. Vielleicht hat das Kind einmal etwas kaputt gemacht und das Missgeschick vor den Eltern gestanden und wurde dafür zu hart bestraft. Die Konsequenz? Beim nächsten Mal wird das Kind den Fehler sicher nicht zugeben, oder jemand anderen dafür die Schuld zuweisen. Von anderen – meistens von Gleichaltrigen – akzeptiert und bewundert zu werden ist ein weiterer Grund, wieso Kinder zur Lüge greifen.

Wie sollen Eltern reagieren?

Eltern sollten mit ihren Kindern reden und zu verstehen geben, dass Lügen nicht in Ordnung ist und ihm zeigen, warum es so wichtig ist, stets bei der Wahrheit zu bleiben. Dies sollte jedoch nicht vor versammelter Mannschaft passieren, sondern am besten unter 4 Augen. Zeigen Sie dem Kind auch, welche Auswirkungen es auf die Menschen hat, die belogen wurden. Man kann dadurch sehr schnell das Vertrauen anderer oder sogar Freunde verlieren.
 
Wenn ein eindringliches Gespräch nichts ändert, kann es hilfreich sein, dem Kind einen kleinen Talismann anzuheften, der von nun an aufpassen soll, dass es nicht lügt. Wenn Sie dem Kind Konsequenzen für das Lügen androhen, begründen Sie diese und bleiben Sie dann aber selbst bei Ihrem Wort. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es sich stets mit der Wahrheit an Sie wenden kann, und sein Herz ausschütten darf. Sollten sämtliche Versuche, Ihrem Kind das Lügen abzugewöhnen scheitern, sollte man sich nicht davor scheuen, eine Beratungsstelle aufzusuchen.
 
Text: Tina Voss

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