
Der Druck unserer Leistungsgesellschaft macht auch vor unseren Jüngsten nicht Halt. Heute herrscht meistens die Meinung vor, nur mit guten Noten und der besten Schulausbildung sowie einem Hochschulabschluss ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein. Kommt hier auch noch eine grosse Portion elterlicher Ehrgeiz dazu, der das Kind als Genie sieht, steht das Kind unter grossem Leistungsdruck. Da wundert es einem nicht, dass das Kind einfach nur mal faul sein will. Nichts lernen, nichts machen, einfach nur entspannen. Bei diesen Entspannungswünschen schrillen jedoch bei vielen Eltern gleich sämtliche Alarmglocken. Berechtigt vielleicht dann, wenn die schulischen Leistungen nachlassen.
Das Wort «lernen» hat für die meisten Kinder einen bitteren Beigeschmack, da es meistens mit Arbeit verbunden ist. Daher sollte ein Kind auf spielerische Art und Weise lernen. Ist das Kind noch im Vorschulalter beginnt Lernen mit Zeichnen oder Ausmalen. Die meisten Vorschul- oder Grundschulkinder haben eine Vorliebe für Tiere oder Bewegung. Die Interessen der Kinder sollte beim Lernen stets berücksichtigt werden. Man sollte dem Kind ausserdem die Möglichkeit geben, Lerninhalte spielerisch auszuprobieren, selbst kreativ zu werden und an konkreten Projekten zu arbeiten. Die Lernumgebung wie eine angenehme Raumtemperatur, gutes Licht, ausreichend Platz und frische Luft sind ebenso sehr wichtig.
Wenn Eltern an den Schulerfolg ihrer Kinder denken, haben sie meist ein Fernziel im Sinn. Fragen wie: «Was wird wohl einmal aus meinem Kind? Wird es dieses Jahr sitzen bleiben? Wird es mir einmal auf der Tasche liegen?»… schwirren dabei oft in den Köpfen der Eltern. Die Kinder selber leben jedoch im Hier und Jetzt. Aussagen wie: «Wenn du schlecht in der Schule bist, bekommst du später keine Arbeit…» oder «Es geht um deine Zukunft…» nützen dem Kind herzlich wenig und wirken eher demotivierend. Ein Kind profitiert vielmehr von kleinen, überschaubaren und leicht zu bewältigenden Teilschritten. Eine Klassenarbeit, das Lernen und Aufsagen eines Gedichts oder das Diktat in zwei Tagen ist das, was das Kind womöglich im Moment beschäftigt und worauf die Orientierung gelenkt werden sollte. Nichts im Leben beflügelt mehr als Erfolg. Vergessen Sie nicht, ihr Kind regelmässig für gute Leistungen zu loben.
Kommt das Kind langsam ins Jugendlichenalter und macht sich hier Lernfaulheit breit, ist bestimmt eine etwas andere Motivation von Nöten. Der beste Motivator für Jugendliche in der heutigen Zeit ist wohl, den jungen Menschen Perspektiven für ein Ausbildung oder einen Beruf nach der Schule zu bieten. Hier kann es sinnvoll sein, wenn Eltern mit den Jugendlichen gemeinsam Berufsinformationszentren aufsuchen oder sie bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Praktikumsplatz unterstützen.
Es gibt allerdings Kinder und Jugendliche, denen scheinbar alles egal ist und so die Eltern zur Verzweiflung bringen. Es mag sein, dass das Kind so weit in der Rolle des Lernverweigerers steckt oder aber auch unter Depressionen oder anderen Krankheiten leiden. In so einem Fall sollte man die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch nehmen.
Besorgte Eltern bemühen sich, ihren Kindern bereits im Vorschulalter auf spielerische Weise das Lernen beizubringen. Oftmals lässt jedoch die vielleicht anfangs vorhandene Lernfreude irgendwann im Laufe der Zeit bei ihrem Kind nach. Wenn die Kinder in dieser Situation nicht allein gelassen werden, sondern mit der Unterstützung der Eltern rechnen können, wird auch das Problem «Lernfaulheit» gemeinsam zu meistern sein.
Text: Tina Voss