
Wer meint, dass die Ursachen von Streit unter Geschwistern bei den Kindern selbst zu finden sind, liegt in der Regel grundsätzlich falsch. Vielmehr sollte man Auslöser der Konflikte bei sich selbst suchen. Kinder streiten oft aus der Langeweile heraus. So bilden Eltern, die ihre Kinder nicht sinnvoll beschäftigen, die häufigste Basis für handfesten Streit um das gerade begehrte Spielzeug oder das aktuelle Fernsehprogramm.
Spielzeuge und Beschäftigungsangebote sollten also immer von mehreren Kindern gleichzeitig genutzt werden können. Ist ein Konflikt bereits entstanden, wäre ein Gedankenansatz, eine gleichwertige Ausweichmöglichkeit für das subjektiv benachteiligte Kind zu finden. Jedoch sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass man hierbei auf die Gleichwertigkeit achten muss, um die Aufmerksamkeit des beschäftigten Kindes nicht auf das neue Angebot zu ziehen. Neue Konfliktsituationen wären so vorprogrammiert.
Eltern sollten sich davor hüten, sich in einen Streit unter Geschwistern mit Stellungnahmen wie «Mensch, du bist doch der Ältere!» oder «Musst du schon wieder damit anfangen? Du weisst doch, dass…» einzumischen. Zum Streiten gehören grundsätzlich immer zwei, die immer zu gleichen Teilen Schuld tragen. Besser ist es, dass die Kinder den Konflikt kontrolliert austragen. Der Elternteil fungiert hier als Moderator und lenkt das Streitgespräch. Ein Machtwort sollte erst die allerletzte Lösung darstellen.
Kinder sind Weltmeister im Finden von pädagogischen Schwachstellen. Einer der gefährlichsten Knackpunkte entsteht, wenn Kinder behaupten können, dass Papa beziehungsweise Mama das aber ganz anders gesagt hat. Dieses Kommunikationsproblem wird von Kindern – zu Recht – gerne genutzt und muss im Vorfeld ausgeschlossen werden. Sollte es dennoch passieren, muss man als Elternteil im Konflikt auf seinem Standpunkt beharren und diesen schnellstmöglich mit seinem Partner absprechen. Hier bietet sich auch gleichzeitig die Möglichkeit, eine klare Linie und eindeutige Stellung als «Elternpaar» auszuarbeiten.
Konflikte, gerade zwischen Geschwistern, sind für die Entwicklung des Kindes sehr wichtig. Grundsätzlich sollte man also einen kühlen Kopf bewahren und nur eingreifen, wenn es wirklich sein muss – zumal man die Zeit bis zur Schlichtung nutzen kann, um sinnvolle Lösungen und Gedankenansätze zu finden.
Text: Daniel D. Eppe