
Die Möglichkeit, an falsche Freunde zu geraten ist nicht altersmässig begrenzt, sondern besteht das ganze Leben hindurch. Meist beginnt es im Kindergartenalter, denn hier knüpft der Nachwuchs oft erste Kontakte mit mehreren Artgenossen. Während sich bei Freundschaften im Kindergartenalter die Prioritäten alle paar Tage verschieben können, kann sich das bei Freundschaften ab einem späteren Zeitpunkt genau gegenteilig verhalten. In diesem Punkt unterscheiden sich die Bedürfnisse von Kindern und Eltern schon seit Generationen.
Eltern sollten versuchen, die eigenen Vorurteile zu überdenken und den Freundeskreis des eigenen Kindes nicht bewerten. Auch ein bisschen Vertrauen in den eigenen Nachwuchs hilft, schliesslich wird der Sohn/die Tochter doch gute Gründe für genau diese Freunde haben. Haben Eltern allerdings das Gefühl, dass es dem eigenen Kind in diesem Freundeskreis nicht gut zu gehen scheint, ist es völlig in Ordnung, auch mal einzugreifen. Auf keinen Fall sollten sie verabsäumen, ihr Kind darauf aufmerksam zu machen, wenn sich das Gefühl einschleicht, dass von diesen Freunden eine Gefährdung ausgeht. Verbote führen zu nichts, Eltern sollten stattdessen versuchen, sich zu überwinden und die neuen Freunde nach Hause einzuladen und probieren, diese so näher kennenzulernen und zu verstehen.
Auch in Streitsituationen ist es wichtig, sich nicht wertend einzumischen. Führen Sie mit Ihrem Nachwuchs offene Gespräche indem Sie erklären, warum Sie glauben, dass dieser oder jener Freund nicht gut für das Wohl des Kindes ist. Schliesslich ist heutzutage das Thema «Kriminalität unter Jugendlichen» kein Fremdthema mehr und niemand möchte, dass der eigenen Nachwuchs eines Tages in ganz spezielle Kreise hineingezogen wird. In der heutigen Zeit ist es für junge Menschen leider ein leichtes, auf Abwege zu geraten. Und dass es in solchen Kreisen mehr falsche Freunde als Richtige gibt, muss nicht erst lange diskutiert werden. Die Verhängung von Hausarrest oder anderen Strafen ist aber meist sinnlos. Bei Verboten wird der junge Mensch erst recht Kontakt zu genau diesem Freund oder dieser Gruppe suchen. Aufklärung und gezielte Gespräche helfen da schon eher, im Notfall auch ein Besuch bei einer Erziehungsberatungsstelle.
Text: Sabine Trach