
Wer sich einen Zen-Garten wünscht kommt um eine ausgefeilte Planung nicht herum. Je nach Grösse des Areals werden später Steine, Sand, Kiesel und wenige Pflanzen in eine stimmige Einheit gebracht – Dinge, die man eben nicht mal schnell wieder umräumen kann. Daher empfiehlt sich eine präzise Skizze. Es gibt zahlreiche Fachbücher, die sehr anschauliche Muster präsentieren – der eigene Garten wird jedoch immer etwas ganz Individuelles sein, auch wenn die Materialien sich gleichen. Felsblöcke in ungerader Zahl, helle Kiesel, Sand als Symbol für den Ozean und den Brunnen des Lebens sowie hochgewachsener Bambus gehören unbedingt dazu. Puristen pflanzen lediglich Moose in knapper Zahl, etwas lebendiger wirkt der Garten jedoch mit einer japanischen Zierkirsche, einem japanischen Ahorn oder einer Silbetanne. Auch Farne, Magnolien oder Stammazaleen setzten klassische Akzente.
Ein traditioneller Zen-Garten bemüht sich um ein idealisiertes Abbild der Natur. Wasserläufe werden angedeutet durch wellenförmig geharkte Linien im Kies, wobei weder Anfang noch Ende erkennbar sein dürfen. Felsbrocken oder Steine müssen unterschiedliche Grössen aufweisen und dürfen keinesfalls symmetrisch angeordnet werden. Keine Regelmässigkeiten oder der Hauch künstlicher Ordnung sollen das Auge des Betrachters langweilen. Asiatische Mönche betreiben das sorgfältige Rechen der Kiesläufe als ausgleichende Meditation, und manch ein Schreibtisch wird geziert von einer handlichen Miniaturausgabe zu genau dem gleichen Zweck. Sich innerlich zu ordnen, die Konzentration zu fördern und die Kreativität zu steigern – hierin liegt die Funktion eines solchen asiatischen Steingartens.
Stein, Wasser, Bäume und Moose – mehr braucht es nicht, wobei auf echte Wasserläufe zugunsten von Sand verzichtet wird. Die Steine stehen als Symbol für Tiere, die in die Natur eingebunden sind, manchmal symbolisieren sie auch vom Himmel herabsteigende Götter. Moose werden gepflanzt als Zeichen für das Alter, ein in Japan hochverehrtes Sinnbild. Bäume schliesslich stehen für das menschliche Leben als Teil des Ganzen, aber auch als Zeichen für Individualität. Das Gefüge aus diesen Bestandteilen bleibt nach seiner endgültigen Gestaltung frei von Veränderungsarbeiten – hier ist dann kein Ort mehr für typische Gartenarbeit.
Damit der eigene Zen-Garten später auch tatsächlich Raum für besinnliches Nichtstun bietet, müssen vorher gewisse Dinge erledigt werden. Das geplante Gebiet ist gründlichst von Wurzelwerk, Unkraut und Pflanzenresten zu befreien. Eine wurzeldichte Folie verhindert unerwünschte Neukeimungen. Vermehrungsfreudige Pflanzen wie Bambus sollten ausschliesslich im Topf gepflanzt werden, anderenfalls verwandelt sich die Fläche schnell in ein wildes Bambusfeld. Wagen sich dennoch vorwitzige Ausläufer die Harmonie zu stören, hilft nur eines – konsequent ausputzen.
Text: Claudia Eichhorn